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K.I.T.T.ZeitmaschineHerbieBluesmobilBatmobilBumblebeeChristineBonds Aston MartinShaguarMr. Beans Kontrahent

Kinohelden auf vier Rädern

Sie sind die wahren Helden in Kinofilmen: Aston Martin, VW Käfer, DeLorean oder das Bluesmobil. Welcher vierrädrige Filmstar sich in die Herzen der Zuschauer gefahren hat und welcher eher für Belustigung sorgte, zeigt unser Cool-und-Skurril-Quartett.
Cool: K.I.T.T.
  • Modell: Pontiac Firebird Trans Am
  • Baujahr / Filmjahr: 1967 / Knight Rider, 1982 bis 1986
  • Design: Schwarz
  • Ausstattung / Fähigkeite: Ein immer währendes Erfolgsrezept für einen Film ist die Geschichte vom einsamen Mann, der mit seinem Gefährten auf Verbrecherjagd geht. Die Serie Knight Rider mit David Hasselhoff als Michael Knight und seinem Sportwagen K.I.T.T. ist so ein Kassenschlager. Das mit künstlicher Intelligenz ausgestattete Auto hat erstaunliche Fähigkeiten: Es kann nahezu geräuschlos fahren, andere elektronische Geräte manipulieren und die Kontrolle anderer Fahrzeuge übernehmen. Und das Auto überzeugt mit trockenem Humor, denkt mit und ist immer zur rechten Zeit am rechten Ort. So viele Extras verdienen trotz des dauergewellten Fahrers einfach nur die Bezeichnung „cool“.
Skurril: Die Zeitmaschine
  • Modell: DeLorean
  • Baujahr / Filmjahr:  1981 / Zurück in die Zukunft, 1985, 1989, 1990
  • Design: Rostfreier Stahl
  • Ausstattung / Fähigkeite: Die Produktion des DeLorean musste nach nur 21 Monaten und 9.200 hergestellten Fahrzeugen eingestellt werden. Die Nachfrage war einfach zu gering. Eigentlich verwundert das nicht allzu sehr, denn das Auto ist nicht schön, dafür aber selten  – und damit genau richtig für den damals futuristischen Film. Ausgestattet mit dem „Flux-Kompensator“ und einem Atom-Elektroantrieb, der Energie für die Zeitmaschine lieferte, brachte der DeLorean den verrückten Professor und Marty McFly in drei Filmen zurück. Wohin? Zurück in die Zukunft. 
Cool: Herbie
  • Modell: VW Käfer
  • Baujahr / Filmjahr: 1938 / Herbie, 1968 bis 2005
  • Design: Perlweiß mit der Startnummer 53 und einem rot-weiß-blauen Streifen
  • Ausstattung / Fähigkeite: Als Liebling der Nation fuhr sich der VW Käfer nicht nur in die Herzen der Bevölkerung, sondern bekam 1968 auch eine Hauptrolle im gleichnamigen Walt-Disney-Streifen. Sein Charakter im Film passt zu dem niedlichen, runden und knuffigen Aussehen des Kultautos. Sein menschelndes Hupen machte ihn zum Frauen- und Kinderschwarm, und die Männerwelt begeisterte er mit seinen Fahrkünsten, seiner Schnelligkeit und zahlreichen Tricks. Der Käfer mit der Startnummer 53 liest in sechs Film­abenteuern zwischen 1968 und 2005 den Bösewichten die Leviten. Cool, finden wir, weshalb er in unserer Auswahl nicht fehlen darf.
Skurril: Das Bluesmobil
  • Modell: Dodge Monaco Sedan
  • Baujahr / Filmjahr: 1974 / The Blues Brothers, 1980  
  • Design: Schwarz-weißer Polizeistyle
  • Ausstattung / Fähigkeiten: Es hat schon was, den eigenen Bruder mit einem ausgemusterten Streifenwagen vom Knast abzuholen. Obwohl das Bluesmobil den Ärger der Beamten magisch anzieht, können sich die Blues Brothers im gleichnamigen Film stets auf ihren unzerstörbaren Dodge verlassen. In Wirklichkeit brauchte es sieben Bluesmobile, um die Verfolgungsjagd im Film durch die Einkaufspassagen von Chicago zu inszenieren. Sehr zur Freude von Schauspieler Dan Aykroyd, dem die Zerstörung der Streifenwagen-Armada diebisches Vergnügen bereitete. Mit dieser Mischung aus einer herrlichen Portion Selbstironie und guter Musik brauste das Gefährt, unterwegs im Auftrag des Herrn, in die Gehörgänge der Zuschauer. 
Cool: Batmobil  
  • Modell: verschiedene
  • Baujahr / Filmjahr: 1941 / Batman, 1939 bis heute
  • Design: Verschiedene
  • Ausstattung / Fähigkeite: Das Batmobil ist wie sein Fahrer selbst ein Mysterium. Das Design änderte sich von Film zu Film und konnte in den ­71 Jahren, die es Batman und sein Vehikel nun schon gibt, keiner Automarke zugeordnet werden. Im Jahr 1941 sorgte Batman noch mit einem fahrbaren Untersatz ohne spezielle Ausstattung für Gerechtigkeit. Spätere Versionen hatten den Chevrolet Caprice oder Buick Riviera als Vorbild. Das Batmobil aus dem Film „Batman Begins“ kann als Kreuzung von Humvee, Lamborghini und Tarnkappenbomber bezeichnet werden. Seine Eigenschaften: gepanzerte Karosserie, leistungsstarker Motor, manchmal sogar mit Raketenantrieb und Waffen. Sogar ein kleiner Helikopter liegt im Kofferraum bereit. Was braucht es mehr, um die Welt zu retten?
Cool: Bumblebee
  • Modell: Chevrolet Camaro
  • Baujahr / Filmjahr: 1977, später 2009 / Transformers, 2007, 2009, 2011
  • Design: Der Name ist Programm: gelb-schwarz wie eine Biene
  • Ausstattung / Fähigkeite: Ursprünglich basierte das Automodell der Bumblebee-Figur aus dem Jahr 1984 auf einem VW Käfer. Um Assoziationen mit Herbie zu vermeiden, wurde der VW aber durch einen 1977er und einen 2009er Chevrolet Camaro ersetzt. Als ultimativer Allrounder erfüllt Bumblebee im dreiteiligen Blockbuster Transformers mehrere Sehnsüchte zugleich: das Auto als Freund, Beschützer und Frauenmagnet. Wegen einer Kriegsverletzung kann Bumblebee nur mithilfe seines Autoradios kommunizieren, aber gerade kleine Schwächen machen ihn besonders sympathisch. Unterschätzen sollte man ihn jedenfalls nicht: Er kann sich unter Wasser bewegen und für seinen Besitzer geht er durchs Feuer. Bei so viel Einsatz finden wir: Da stimmt einfach das Gesamtpaket.
Skurril: Christine
  • Modell: Plymouth Fury
  • Baujahr / Filmjahr: 1958 / Christine, 1983
  • Design: Unschuldiges Weiß gemischt mit gefährlichem Blutrot
  • Ausstattung / Fähigkeite: Als einziges Auto der Filmgeschichte fährt der Plymouth Fury Christine im gleichnamigen Horrorschinken von Stephen King auf der dunklen Seite der Macht. Ein mordender Wagen, der seinen Besitzer – den 17-jährigen Außenseiter Arnie – in seinen Bann zieht. Christine räumt alle Feinde Arnies aus dem Weg, indem sie sie über den Haufen fährt. Geschickt beult sich der Wagen anschließend wieder selbst aus, um alle Tatspuren zu beseitigen. Zwar eine originelle Geschichte mit nostalgisch schöner Hauptdarstellerin, aber angsteinflößend? Fehlanzeige. Eine Rolle in einem James Bond hätte der Plymouth-Lady sicher mehr Sympathien eingebracht. Skurril ist sie auf alle Fälle.
Cool: Bond-Auto
  • Modell: Aston Martin DB5
  • Baujahr / Filmjahr: 1963 / In verschiedenen James-Bond-Filmen wie Goldfinger, Feuerball, Goldeneye, Casino Royale und Skyfall von 1964 bis heute
  • Design: Klassisch-schönes Silber
  • Ausstattung / Fähigkeite: Der Aston Martin: Lieblingsauto von James Bond und Traumwagen vieler Autofans. In fünf Filmen war der attraktive Geheimagent den Verbrechern mit dem schönen Aston Martin DB5 auf den Fersen. Außer ihrem guten Aussehen hat die 286 PS starke Versuchung viele nette Extras im Kampf gegen das Böse zu bieten – etwa Maschinengewehre, ausfahrbare Klingen, Radaranlage und Schleudersitze. Und mit Ölspray, Sternnägeln, Rauchwand und Wechselnummernschild hängt Bond seine Verfolger mit Leichtigkeit ab. Kurzum: Film cool, Bond cool, Auto cool.
Skurril: Der Shaguar
  • Modell: Jaguar E-Type II
  • Baujahr / Filmjahr: 1968 / Austin Powers, 1997
  • Design: Patriotische Union-Jack-Optik, sogar bei der Innenausstattung
  • Ausstattung / Fähigkeite: Auch wenn wir uns alle einig sind, dass Austin Powers sicher nicht das Schärfste ist, was Ihre Majestät zu bieten hat, so ist zumindest sein fahrbarer Untersatz noch im Rennen um diesen Titel. Der Shaguar ist mit originellem Namen und quietschbunter Optik ein echtes Kuriosum. Abgesehen von 269 PS und einer einzigartigen Kriegsbemalung hat der Wagen im Vergleich zu den anderen Auto-Filmstars allerdings wenig zu bieten. Wie der Fahrer, so sein Auto: nichts als heiße Luft. Mojo, baby, yeah.
Skurril: Mr. Beans Kontrahent
  • Modell: Reliant Regal Supervan
  • Baujahr / Filmjahr: 1967 / Mr. Bean,1989 bis 1995
  • Design: Unschuldiges Himmelblau
  • Ausstattung / Fähigkeiten: Obwohl er nur eine Nebenrolle spielt, ist der blaue Reliant Regal Supervan mit seinen drei Rädern bei echten Mr.-Bean-Fans vor allem für die Rolle des langsamen Trottels bekannt. Kein Wunder, dass das Gefährt mit seinem ulkigen Aussehen bei den Briten ein Symbol für Exzentrik ist. Der Traum in Blau strapaziert regelmäßig die Nerven von Mr. Bean, aber nicht ohne Folgen: Bean drängt den Reliant mit seinem stabileren Mini einfach in Straßengräben, wirft ihn um oder schiebt ihn aus Parklücken. Die Fähigkeiten des Dreirads: zu vernachlässigen. Sein Kultstatus: enorm. Auch wenn der Reliant nichts kann, so lieben wir ihn doch genau dafür.

Ein Quantum Physik

Metin Tolan wurde am 27. März 1965 in Oldenburg in Schleswig-Holstein geboren. Der deutsch-türkische Physiker übernahm 2001 den Lehrstuhl für experimentelle Physik an der Technischen Universität Dortmund. In seiner Freizeit widmet er sich mit einer Prise Humor der physikalischen Betrachtung von der Titanic, Fußball, Film und Fernsehen. Darüber hält er populärwissenschaftliche Vorträge zu Themen wie „Die Physik des Fußballspiels“, oder „Geschüttelt, nicht gerührt: James Bond und die Physik“.

 

Statt trockene Formeln zu pauken, James-Bond-Filme schauen – welcher Student wünscht sich das nicht? Metin Tolan, Professor für experimentelle Physik an der Technischen Universität Dortmund, macht diesen Traum für seine Studenten wahr und erklärt am Beispiel von 007-Film­szenen physikalische Gesetze.

Herr Tolan, Sie erforschen als Professor für experimentelle Physik unter anderem Filmstunts. Wie kamen Sie zu diesem außergewöhnlichen Hobby?

Das Schlüsselerlebnis hatte ich 1995, als im Kino „Goldeneye“ lief. In der ersten Szene springt James Bond von einer Klippe, holt in der Luft ein abstürzendes Flugzeug ein und kann es in letzter Minute vor dem Aufprall bewahren. Weil die Szene so unrealistisch wirkt, haben damals einige im Kino gelacht, inklusive­ meiner Person. Gleichzeitig habe ich mich aber auch gefragt, ob das nicht doch theoretisch möglich wäre, und zuhause dann die Bedingungen ausgerechnet. Das Ergebnis: Man müsste zwanzigmal windschnittiger sein als das Flugzeug. Ich hatte großen Spaß daran, das auszutüfteln. Sechs Jahre später habe ich meine erste Physikvorlesung gehalten und dieses Beispiel verwendet, um den waagerechten Wurf mit Reibung zu erklären. Das kam bei den Studenten gut an und seitdem mache ich das. Allerdings geht es bei meiner wissenschaftlichen Arbeit um etwas ganz anderes, nämlich um die Erforschung von Materialien mit Röntgenstrahlen.

Das heißt, Sie sind noch nie mit einem brennenden Auto von einem Hochhausdach aufs andere gesprungen?

Eher nicht. Viele der Stunts, die wir berechnen, kann man nicht selbst machen. Das wäre sehr ungesund. Einige meiner Fußballexperimente können Sie ausprobieren, aber meistens berechnen wir Dinge, die in der Realität nicht funktionieren. Wenn Fußballprofis etwa behaupten, sie könnten aus 16 Metern Entfernung mehrmals hintereinander die Latte eines Tores treffen, kann ich ausrechnen, dass das eigentlich gar nicht möglich ist: Die Entfernung ist so groß, dass eine minimale Veränderung von Abschusswinkel und -geschwindigkeit ausreicht, um danebenzuschießen. So etwas habe ich durchaus schon einmal ausprobiert, aber Filmstunts genieße ich lieber auf dem Rechenblock oder vor der Mattscheibe.

Sicher kennen Sie dann den Stunt-Klassiker, ein Auto auf zwei Rädern fahren zu lassen. Könnte das ein Ottonormalfahrer auch?

Ein Stuntman hat mir einmal erzählt, ein Auto auf zwei Rädern zu fahren – wie James Bond in „Diamantenfieber“–, ist fast eine Art Aufnahmeprüfung für Stuntmen. Das ist möglich, erfordert aber sehr viel Können. Sie müssen ständig kleine Schlangenlinien fahren und die entstehende Zentrifugalkraft gegen die Schwerkraft ausbalancieren. Deswegen sehen wir auch, dass Stuntmen die ganze Zeit am Kurbeln sind, weil sie die beiden Kräfte im sogenannten dynamischen Gleichgewicht halten müssen. Mit meiner bescheidenen Autofahrerqualität – sorgfältig erworben in 52 Fahrstunden – wäre ich dafür weniger gut geeignet.

Mit dem Auto über eine sich öffnende Brücke zu springen ist dann vermutlich auch nicht Ihr Ding. Aber wäre das möglich?

Ja, aber nur, wenn der Flugweg nicht zu weit ist. Denn das Auto wird instabil, wenn es zu lange in der Luft ist. Berechnen kann man den Flugweg und die Stabilität im Flug mit der Kreiseltheorie. Wichtig ist eine gleichmäßige Gewichtsverteilung im Auto, sonst verdreht es sich in der Luft. 

Verdrehen – gutes Stichwort. In „Der Hauch des Todes“ landet Bond mit einem Fallschirm in einem fahrenden Auto. Völlig verdreht oder Realität?

Dieser Stunt wurde tatsächlich durchgeführt. Allerdings müssen die Geschwindigkeiten von Flugzeug, Auto und Fallschirmspringer genauestens aufeinander abgestimmt sein. Das funktioniert nicht zufällig, wie es in Filmen oftmals scheint. Eine ähnliche Szene finden Sie im Bond-Streifen „Moonraker“. Hier wird 007 ohne Fallschirm aus dem Flugzeug gestoßen. Davor ist sein Kontrahent mit Fallschirm abgesprungen. James Bond holt ihn in der Luft wieder ein, kämpft mit ihm, nimmt ihm den Fallschirm ab und landet sanft auf der Erde. Der Stunt wurde zwar tatsächlich gemacht, allerdings in 96 Einzelabsprüngen und in einem Zeitraum von vier Wochen.

Das ist ganz schön lange für zwei Minuten Film. Mit einem Auto auf einen fahrenden Lkw aufzufahren ist vermutlich nicht so aufwendig, oder?

Nein, das geht ganz gut, wenn Sie die Geschwindigkeiten genau abpassen. In Filmen sieht man jedoch häufig, dass ein Auto mit hoher Geschwindigkeit in den Lkw hineinfährt. Dafür wäre der Bremsweg aber schlicht und ergreifend zu lang. Falls Sie jemals in die Situation kommen sollten, habe ich einen Tipp für Sie: Halten Sie den Abstand zu dem vor Ihnen fahrenden Fahrzeug konstant, dann wissen Sie, wie schnell der Lkw ist. Wenn Sie jetzt Ihre Geschwindigkeit langsam um zwei bis drei Kilometer pro Stunde erhöhen, können Sie bequem hineinfahren. Mit den heutigen Autos sollte das kein Problem sein. Da sage ich Ihnen mal ganz kühn: Das würde ich mir möglicherweise auch zutrauen. 

Eher, als auf zwei Rädern zu fahren?

Oh ja. Schauen Sie, das ist wie Radfahren. Sie müssen wissen: In der Straße, in der ich als Kind wohnte, war ich der Letzte, dem man die Stützräder abgeschraubt hat. 

Herr Tolan, eine letzte Frage: Gibt es auch bei Filmstunts Trends? Hat sich die Physik der Autoszenen im Vergleich zu früher verändert?

Bei James Bond gibt es sicherlich die Tendenz, dass die Szenen brutaler werden. Wenn zwei Autos zusammenstoßen, sind sie kaputt – da ist nicht viel mit Physik. Außerdem wird heute sehr viel am Computer animiert – schlechte Zeiten für Physiker. Aber meine Studenten und ich finden immer etwas zu berechnen.

Vielen Dank für das spannende Gespräch, Herr Tolan!