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Bosch-Auswertungen von Unfalldaten zeigen, dass sich mit vorausschauenden Notbremssystemen nahezu drei von vier Auffahrunfällen mit Personenschaden vermeiden lassen. In kritischen Situationen warnt und unterstützt das System den Fahrer. (Bild: Bosch)
Bosch-Auswertungen von Unfalldaten zeigen, dass sich mit vorausschauenden Notbremssystemen nahezu drei von vier Auffahrunfällen mit Personenschaden vermeiden lassen. In kritischen Situationen warnt und unterstützt das System den Fahrer. (Bild: Bosch)

Notbremsassistenten unterstützen den Fahrer nicht nur bei einer Vollbremsung, sondern können Gefahrensituationen selbstständig erkennen und vermeiden.

Viele Ingenieure aus der Welt der Automobile haben eine Vision: den unfallfreien Straßenverkehr. Deshalb entwickeln Fahrzeughersteller und Zulieferer immer neue Technologien, um die Sicherheit im Straßenverkehr erhöhen. So gibt es Assistenzsysteme, die direkt am Fahrzeug wirken und solche, die den Fahrer unterstützen. Zur ersten Gruppe gehören beispielsweise das Antiblockiersystem bei der Bremse oder Stoßdämpfer, die sich selbstständig der Fahrbahn anpassen. Einige Systeme greifen allerdings nicht aktiv ins Fahrgeschehen ein, sondern bieten dem Fahrer vor allem Hilfe. Ein Beispiel: Der Totwinkelwarner, der dem Fahrer beim Spurwechsel meldet, dass sich ein anderes Fahrzeug in seinem toten Winkel befindet. Der Notbremsassistent ist eine Mischung aus einem fahrerunterstützendem und einem direkt am Fahrzeug wirkendem Assistenzsystem: Er verstärkt im Bedarfsfall die Notbremsung des Fahrers oder führt selbst eine Vollbremsung aus.

Sensoren und Bremse spielen zusammen

Damit ein Notbremsassistent eine Notsituation erkennt und im Zweifelsfall bremsen kann, muss das System sein Umfeld möglichst genau wahrnehmen können. Verschiedene Sensoren am Fahrzeug sammeln Informationen, damit das System die Situation genau einschätzen kann. Natürlich müssen Abstände zu möglichen Kollisionsobjekten wie einem vorausfahrenden Fahrzeug abgeschätzt werden, aber auch Informationen über die Beschleunigung, den Lenkwinkel, den Lenkradwinkel und die Pedalstellungen sind wichtig. Meistens werden Kameradaten verwendet, um Abstände richtig einzuschätzen. Manchmal kommen jedoch auch sogenannte Lidar- oder Radar-Sensoren zum Einsatz. Lidar steht für „Light Detection and Ranging“ und funktioniert mithilfe von Licht. Mit ultravioletten oder infraroten Strahlen aber auch mit sichtbarem Licht, können solche Sensoren Abstände oder Geschwindigkeiten messen. Radar-Sensoren dagegen machen dies mit Mikrowellen. Alle über das Umfeld und den Zustand des Fahrzeugs gesammelten Daten werden bei der sogenannten Sensor-Daten-Fusion zusammengeführt: Eine Software verrechnet die Daten miteinander. Dabei gilt in jedem Fall: Je genauer die Daten, die dem Notbremsassistenzsystem zur Verfügung stehen, umso zuverlässiger kann es eingreifen.

Gezielt Bremsen in der Not

Den Überblick zu behalten, ist wichtig. Aber genauso bedeutend ist es, dass das Fahrzeug im Notfall schnell – und sicher – zum Stehen kommt. Bei einem Notbremsassistenten übernimmt das elektronische Stabilitätsprogramm (ESC) das Bremsen. Das ESC ist in der EU seit einigen Jahren verpflichtend in jedem Neufahrzeug eingebaut. Wird es auf der Fahrbahn brenzlig, stabilisiert das ESC das Fahrzeug und verhindert, dass dieses ins Schleudern gerät. Beispielsweise hält es das Fahrzeug bei einer Kurvenfahrt in der Spur, wenn es auszubrechen droht. Das gelingt, indem das Fahrzeug gezielt einzelne Räder bremst – unabhängig, davon, ob der Fahrer das Bremspedal bedient. Der Notbremsassistent funktioniert also, indem er die Umfeldsensorik des Fahrzeugs mit dem ESC vernetzt. So beobachtet nicht nur der Fahrer die Fahrzeugumgebung während der Fahrt genau – auch der Assistent tut das. Das bedeutet: Doppelte Sicherheit. Handelt der Fahrer in der Notsituation selbst, wirkt das System nur unterstützend. Wenn der Fahrer das Bremspedal im Notfall jedoch nicht stark genug tritt, greift ebenfalls das Assistenzsystem ein. In diesem Fall verstärkt das ESC die Bremskraft automatisch, so dass das Fahrzeug rechtzeitig zum Stehen kommt. Erkennt der Notbremsassistent eine Notsituation, und der Fahrer reagiert gar nicht, kann es ihn zunächst warnen – meist akustisch. Handelt der Fahrer auch daraufhin nicht, bremst der Sicherheitsassistent das Fahrzeug selbstständig ab.

Notbremsassistent schützen effektiv

Notbremsassistenten verhindern Unfälle oder reduzieren zumindest deren Schwere deutlich, indem sie die Geschwindigkeit erheblich reduzieren. Eine Studie der Unfallforschung der Versicherer zeigt, dass mithilfe eines modernen Notbremsassistenten fast die Hälfte der Pkw-Unfälle vermieden werden könnte. So unterstützt das System die Vision vom unfallfreien Straßenverkehr.