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Kleiner RennerStreckenführungKlein, aber praktischVerspieltIn voller FahrtStrenge JurySportlich

Auf den Spuren der Rennfahrer

Die Werbung des Mini Cooper SD verspricht Gokart-Feeling vom Feinsten. Die Redaktion ist neugierig geworden und hat den Test auf der ehemaligen Rennstrecke Solitude gemacht. Hält das Trendauto, was es verspricht?

Start-Stopp-Funktion

Ein Start-Stopp-System arbeitet automatisch und soll den Kraftstoffverbrauch senken, wenn das Auto steht, zum Beispiel an der Ampel. Das System schaltet den Motor beim Einlegen des Leerlaufs und Lösen der Kupplung aus. Wird das Kupplungspedal wieder betätigt, startet der Motor. Allerdings funktioniert das nur bei Außentemperaturen zwischen 3 und 30 Grad. Das System funktioniert nicht, wenn die Batterie stark entladen ist, wenn die Innentemperatur noch nicht den mittels Klimaanlage eingestellten Wert erreicht hat. Auch beim Öffnen des Gurtes, der Motorhaube oder Fahrertür bleibt der automatische Motorstopp aus.

Trendy, niedlich, rund und doch elegant steht er vor mir: der Mini Cooper SD Cabrio. Laut Werbung fährt er sich wie ein Gokart. Ich probiere es aus und teste, ob der Kleine nicht nur nett aussieht, sondern auch fahrtechnisch ­etwas zu bieten hat. Mit dem Flitzer fahre ich zur Rennstrecke Solitude, die zwischen Stuttgart und Leonberg liegt. Die Strecke ist seit 1965 im Ruhestand und jetzt eine gewöhnliche Landstraße mit Ampeln und weißen Mittelstreifen, gelben Ortsschildern, Geschwindigkeitsbeschränkungen und Überholverboten. Früher war der Parcours ein Rennstreckenklassiker mit 26 Linkskurven, 19 Rechtskurven sowie 130 Metern Höhenunterschied. Wir bewegen uns mit dem Mini auf den Pfaden der Vergangenheit und können den Geist der alten Rennfahrer regelrecht spüren. Mit 180 Sachen jagte 1963 Formel-1-Legende Jim Clark um die Kurven.

Ein Kleiner ganz groß

Doch auch bei Tempo 60 wird klar: Der Cooper SD fährt sich wie ein kleiner Rennwagen. Er reagiert direkt auf Lenkbefehle und ist bei jedem Tempo richtungsstabil. Wer schon einmal Runden in einem stinkenden, aber flotten Rasenmäher-Gokart gedreht hat, weiß, wie es sich anfühlen muss, wenn man, anstatt um die Kurve zu fahren, um die Kurve fliegt. Neutral und gut beherrschbar nimmt der Mini die Kehren. Auf kurvenreicher Strecke ist der Kleine mit seiner direkten Lenkung und seinen geringen Wankbewegungen in seinem Element – eben wie ein Gokart. Der spritzige Motor mit 143 PS schafft es in gut acht Sekunden auf Tempo 100, erst bei 215 Kilometern pro Stunde ist Schluss. Durch das für einen Kleinwagen äußerst üppige Drehmoment von 305 Newtonmetern, das im Drehzahlbereich zwischen 1.750 und 2.700 Umdrehungen pro Minute bereitsteht, fliegt der Mini locker und leicht alle Steigungen hinauf. Apropos hohe Geschwindigkeit: Bei der Kombination Diesel und Cabrio hatte ich ein knurriges und lautes Fahrzeug erwartet. Doch in Sachen Geräuschpegel gibt es von mir eine gute Bewertung. Erst bei Tempo 150 und im Tunnel höre ich verstärkt Außengeräusche durch das Cabriodach. Praktisch: Beim Einladen größerer Gegenstände in den Kofferraum kann ich einfach mit zwei Hebeln das Dach nach oben klappen und gewinne dadurch genügend Platz zum Be- oder Entladen.

Mini mit Rennwagentradition

Grund für das direkte Handling des ­Cooper ist der quer eingebaute Motor mit darunterliegendem Getriebe. Das hat er von BMW geerbt. Ein tiefer Schwerpunkt, langer Radstand mit breiter Spur, eine steife Karosserie sowie die direkte elektrohydraulische Servolenkung sind die Zutaten für alle Mini-Modelle. Vor 50 Jahren rollte der erste Mini vom Band und feierte zwischen 1964 und 1967 auch als Rennwagen Erfolge. Am 4. Oktober 2000 lief der letzte, technisch nur in Details veränderte Ur-Mini, vom Band. Mit einer Stückzahl von 5.387.862 ist der Mini das meistverkaufte britische Auto. Ein Jahr später präsentierte BMW eine Neuauflage des Mini.

Der Mini ist auch heute noch ein Kultauto und Trendsetter. Die bayrisch-britische Marke fährt nicht nur zackig um die Kurven, sondern eignet sich vor allem als Stadtauto. Klein und handlich passt er in viele Parklücken – die Einparkhilfe ist im Gegensatz zu vielen anderen Autos mit einem angenehmen Klang und keinem schrillen Piepton ausgestattet. Die Start-Stopp-Automatik hilft beim Spritsparen im Feierabendverkehr. Unser Testauto ist zudem ein Diesel, aber ein erstaunlich leiser. Nach EU-Norm soll er mit 4,3 Litern je 100 Kilometer auskommen, der CO2-Ausstoß liegt bei 114 Gramm pro ­Kilometer.

Rund und verspielt

Das Innere ist rund und verspielt. Rund ist alles: vom Tachometer über die Armaturen und den Autoschlüssel bis hin zum Lautsprecher und dem Türöffner. In die Kategorie „verspielt“ fällt auch, dass ich per Knopfdruck die Beleuchtung für Türöffner, Türablagefach sowie Auflicht für die Instrumententafel verändern kann – von zartem Blau über ein sattes Grün bis hin zu kräftigem Violett. Die Übersichtlichkeit lässt allerdings zu wünschen übrig. Zu viele Knöpfe und Kippschalter bilden ein Wirrwarr. Auch an die Position des Tachometers zentral in der Mittelkonsole muss ich mich erst gewöhnen. Gut, dass es auch eine digitale Geschwindigkeitsanzeige hinter dem Lenkrad gibt.

Einen Minuspunkt vergebe ich beim Thema Platz: Hinter dem Lenkrad habe ich davon ausreichend, auch der Beifahrer hat genug Beinfreiheit. Anders sieht es aber auf den hinteren Plätzen aus. Im ­Cabrio kann man höchstens ein Kleinkind oder sein Haustier mitnehmen. Für mehr scheint der Mini nicht ausgelegt zu sein.

Leistung 105 kW/143 PS
Hubraum 1.995 ccm
Getriebe/Antriebsart 6 Gang/Frontantrieb
Höchstgeschwindigkeit 210 km/h
Beschleunigung (0 - 100 km/h in s) 8,7
Verbrauch (l pro 100 km ECE) 4,5 (kombiniert)
CO2-Ausstroß kombiniert 118 g/km
Leergewicht 1.325 kg
Maße: Länge x Breite x Höhe 3.723 x 1.414 x 1.913
Fazit und Bewertung
Bewertung Mini Cooper SD

Trendy, niedlich, rund und elegant ist der Mini mit ansprechendem Interieur und viel Fahrspaß. Der Flitzer gleitet um die Kurven wie ein Gokart und ist dabei ein echter Hingucker. Der Kleine ist gut geeignet als Stadtauto, hat auf der Autobahn aber keine Probleme, mit den Großen mitzuhalten. Auf Landstraßen, kurvig und eng, ist der Mini in seinem Element und mit ihm sein Fahrer. Preiswert sind andere Autos, aber dafür bietet der Mini auch etwas: einen Kultwert.