Erdöl ist der Treibstoff der modernen Industriegesellschaft. Fast vier Milliarden Tonnen des schwarzen Goldes wurden 2009 weltweit gefördert. Ob in Form von Benzin, Heizöl oder Asphalt, ob als Reifen oder als schlichte Plastiktüte – Erdöl findet sich in den unterschiedlichsten Produkten wieder. Bis dahin ist es allerdings ein langer Weg.
1. Entstehung
Die heutigen Erdölreserven entstehen vor 20 bis 350 Millionen Jahren in urzeitlichen Meeren, die von Plankton bevölkert sind. Das Plankton stirbt und sinkt auf den Meeresboden und vermischt sich mit Sedimenten zu Faulschlamm (a). Diese Schicht verfestigt sich. Durch hohen Druck und hohe Temperaturen entsteht ein Gemisch aus Kohlenwasserstoffen – Erdöl. Je höher die Temperaturen steigen, desto mehr Gas entsteht (b). Die unterseeischen Gebirge verschieben („falten“) sich im Laufe der Zeit. Öl, Gas und Wasser wandern und schichten sich (c).
2. Ölsuche
Ein Großteil der Erdölvorkommen befindet sich nicht auf dem Festland (onshore), sondern unter Wasser (offshore), etwa in der Nordsee oder im Golf von Mexiko. Die wichtigste Methode bei der Ölsuche, der Exploration, ist die Reflexionsseismik: Dabei werden kleine, künstliche Erdbeben ausgelöst. Messgeräte, die Geophone, zeichnen die Erschütterungswellen auf. Dadurch erhält man ein dreidimensionales Bild des Untergrunds. Ob in auffälligen Gesteinsformationen wirklich Erdöl vorhanden ist, lässt sich dann mit Hilfe von Probebohrungen herausfinden.
3. Ölreserven
1. Saudi-Arabien 36.287 (in Millionen Tonnen)/22,7 Prozent der weltweiten Reserven/Stand: 2008
2. Iran 18.524/11,6
3. Irak 15.646/9,8
4. Kuwait 14.150/8,9
5. Vereinigte Arabische Emirate 13.306/8,3
6. Russland 10.309/6,4
7. Libyen 5.940/3,7
8. Venezuela 5.605/3,5
9. Kasachstan 5.415/3,4
10. Nigeria 4.928/3,1
4. Förderung
Mit Hilfe von Bohrinseln – frei schwimmend oder auf dem Meeresboden verankert – wird Erdöl auf hoher See gefördert. Die Fördertechnik unterscheidet sich prinzipiell nicht von der auf dem Festland, allerdings ist die Förderung auf See schwieriger und kostspieliger.
a Dünnflüssiges Öl, das unter hohem Druck steht und große Mengen an gelöstem Gas enthält, steigt von allein im Bohrloch auf
b Plungerpumpen kommen zum Einsatz, wenn das Öl nicht mehr von selbst zur Oberfläche fließt
c Erdgas wird ins Gestein um das Förderrohr gepresst. Dort vermischt es sich mit dem Öl zu einem leichten Schaum, der im Bohrloch aufsteigt
d Wasser drückt das Öl nach oben ins Förderrohr
e Dampfinjektionen und Chemikalien senken die Oberflächenspannung
des Erdöls, dadurch löst es sich leichter vom Gestein
5. Transport
Vor dem Transport und der Weiterverarbeitung in der Raffinerie wird das Öl von Gas oder Salzwasser gereinigt. Pipelines pumpen das Rohöl zur Raffinerie oder zum Weitertransport in einen von weltweit rund 7.400 Öltankern. Der wichtigste Ölumschlaghafen und -handelsplatz Europas ist Rotterdam in den Niederlanden. Von dort geht es per Pipeline oder Binnenschifffahrt zur Raffinerie. Die fertigen Produkte werden dann mit dem Zug oder dem Tanklaster weitertransportiert.
6. Raffination
Rohöl ist ein Gemisch aus Kohlenwasserstoffen sowie geringen Mengen von Schwefel, Sauerstoff, Stickstoff und Metallen. Zunächst wird das Rohöl entsalzt und in einem Ofen auf rund 370 Grad Celsius erhitzt. Per Destillation wird es in der Destillationskolonne in seine Bestandteile getrennt. Das ist aufgrund der unterschiedlichen Siedetemperaturen der Kohlenwasserstoffverbindungen möglich. Das Rohöl verdampft, steigt in der Destillationskolonne auf und kühlt dann allmählich wieder ab. Je leichter die Bestandteile des Öls sind, desto höher steigen sie im Destillationsturm auf. Auf Zwischenböden im Turm sammeln sich die Kohlenwasserstoffverbindungen und werden dann getrennt weitergeleitet. Die so gewonnenen Destillationsprodukte werden mit Hilfe von Katalysatoren, hohem Druck und hohen Temperaturen veredelt. Am Ende erhält man Flüssiggas, Benzin, Diesel, Schweröl oder Bitumen. Abschließend werden die Brenn- und Treibstoffe aus Umweltschutzgründen entschwefelt.
7. Produkte
Erdöl ist die Grundlage für zahlreiche Produkte, beispielsweise Motoröl, Benzin, Kerosin, Bitumen, Reifen, Plastiktüten, und, und, und.



